Interview / Eless le 100 (de)

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Riesiko: Hallo, Eless Le 100, stell dich doch mal kurz vor!

Eless le 100: Hallo! Hier ist Eless le 100, ich bin 20 Jahre alt und ich bin Rapper … Musiker, wie ich gerne sage!

R: Du hast letztes Jahr dein erstes Album „Rô“ veröffentlicht.. wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben? 

Eless: Eigentlich ist es eine ziemlich lustige Geschichte! Es war vor ungefähr 2 Jahren, mit einem Kumpel, der wie ein Bruder für mich ist und Produzent für das Album war. Wir haben irgendwann zusammen beschlossen, dass wir jetzt unsere normale Umgebung verlassen müssten, um neue Inspiration zu haben und um zusammen Musik zu machen. Wir hatten in Marseille ein Apartment für uns und an dem einen Tag hatte ich plötzlich Lust zu rappen. Am Anfang habe ich Beats gemacht, ich habe auch das Instrumental von „2,3 mois“ gemacht, aber den Mix und den Großteil der Instrumentals kommen jetzt alle von meinem Bruder QB. 
Also eigentlich war dann unser Apartment unser Studio, meine Eltern haben mir ein kleines Micro für Podcasts gegeben; ich habe damit in unserer Wohnküche aufgenommen, während im Zimmer nebenan mein bester Homie ein anderes Instrumental oder einen Mix fertig gemacht hat. Das war wie im Traum, ich hatte eine gecrackte Audiosoftware, die ich heute immer noch benutze, ich habe den Autotune drüber gemacht und es war fett. Wir haben nur daran gedacht; während der Arbeit habe ich geschrieben, danach sind wir direkt wieder nach Hause und haben bis Mitternacht und länger drangesessen.

R: Und was war dabei die größte Herausforderung für dich?

Eless: Eigentlich gab es die garnicht wirklich, ich habe mir nicht mal die Frage gestellt, was ich machen soll, es war einfach unser Alltag, unser Alltag. Ich hab einfach gemacht, auf was ich Bock hatte und es hat auch gereicht um glücklich zu sein und es ist genau in dem Moment, dass du davon überzeugt bist, was du machst und am schnellsten voran kommst. Mein einziges Problem bei all dem ist eigentlich nur, dass ich ein richtiger Verlierer bin, was Social Media angeht, ich verfolge, was in den sozialen Netzwerken abgeht, aber ich bin keiner, der die ganze Zeit Storys postet, und in Wirklichkeit ist es das, was man heutzutage machen muss, wenn man sich bekannt machen will. Man muss in den Netzwerken Präsenz zeigen, damit einen mehr Leute besser sehen. Und ich bin nicht so, ich habe mich dazu gezwungen, aber es ist noch nie zu etwas automatischem geworden. Also eigentlich bräuchte man jemanden, der das für einen macht, und dafür braucht man dann wieder Kohle; aber das wir mir scheißegal, weil ich wusste, und ich bin davon immer noch überzeugt, dass wenn ich nur das richtige Ohr und die richtige Person treffen würde, einfach die richtigen Leute kennenlerne, die mich weiterempfehlen oder mir ein vernünftiges Marketing für meine Tracks organisieren, dann wäre das auch mein Durchbruch.


R: Auf dem aktuellen Retrogott – Album findet sich die Line „Weil Jazz und Funk die Basis meiner Lieder sind“ – trifft das auch für dich zu? Was sind deine musikalischen Hintergründe?

Eless: Als ich aufgewachsen bin, habe ich Piano gespielt; ich hatte Unterricht und als ich ungefähr 14/15 Jahre alt war habe ich Jazz entdeckt. Ich habe viel davon gehört und wenn ich selbst spielte, dann habe ich Improvisationen gespielt. Das hat mir auf jeden Fall eine stabile musikalische Basis gegeben, was mir jetzt vor allem bei den Instrumentals hilft, aber auch beim Rappen, man könnte sagen, dass mir die Musik das beigebracht hat. Die Harmonien, die Akkorde und solche Dinge, die habe ich mit dem Klavierspielen gelernt. Darüber hinaus ist es noch mein Vater, der selbst Musiker ist und mir viele Dinge beigebracht und gezeigt hat. Heute höre ich viele unterschiedliche Genres, in denen ich mich mehr oder weniger gut auskenne, aber ich bin jemand der schnell lernt und wenn ich etwas höre das mir gefällt, höre ich es mir auf meinen Lautsprechern wieder und wieder an und das kann mir Inspiration und neue Ideen geben. Das kann egal was sein, egal was für ein Stil, sagen wir ich komme von Barry White zu einem House – Techno – Track in zwei Sekunden.

R: Beim Hören deines Albums merkt man schnell, dass du gerne in Marseille bist.. welche Einflüsse hat die Stadt auf dich und deine Musik? 

Eless: Marseille ist eine Stadt, in der französischer Rap eine große Rolle spielt. Jeder hört sich die Songs im Auto oder beim Friseur an – egal wo. In dieser Stadt ist es die Mischung der Kulturen, von Leuten, die teilen und sich für dich interessieren. Hier lernt man Dinge, die man anderswo nicht lernt und das gibt einem Hoffnung. Man relativiert auch. Und das macht Lust, auch das zu genießen, was man hat und das zu tun, auf das man Lust hat, weil die Leute hier auch ein bisschen so sind. Es ist der Vibe dieser Stadt, der mich inspiriert hat und der mich das genießen lässt, was ich mache.

R: An was arbeitest du gerade?

Eless: Ich mache Songs. Gerade jetzt während der Quarantäne, wo ich viel Zeit für mich habe, verbringe ich meine Tage damit, an neuen Songs zu arbeiten. Ich denke im Moment nur daran. Ich schreibe, ich nehme auf, das Gute dabei ist, dass mein Produzent auch viel Zeit hat, er schickt mir die ganze Zeit neue Instrumentals. 
Davon abgesehen denke ich an eine Veröffentlichung in den kommenden Wochen. Es gibt das Ergebnis einer Kollaboration mit einem deutschen Rapper, das wahrscheinlich bald veröffentlicht wird.
Und dann kann ich noch sagen, dass es weitergeht, ich bin niemand der jeden Monat neue Songs veröffentlicht, ich nehme mir die Zeit und ich zerbreche mir über jedes Detail den Kopf, wenn es nicht perfekt für mich klingt, dann mache ich es nochmal, so ist das.

R: Shout – Outs?

Eless: Ja, an meinen Produzenten und vor allem an einen Freund, der immer in meinem Herz bleiben wird. QBTZ. Er ist für mich eine Person, die ich wie einen Bruder betrachte, ich bin mit ihm aufgewachsen, bin mit ihm in die Musik gewachsen. Mit ihm zusammen habe ich mein Album produziert. Das fertige Album trägt zwar meinen Namen, aber in Wahrheit sind es wir beide, die es gemacht haben, mit meiner Stimme, seinem Mixing, seinen Produktionen und auch mit seinen Ohren. Ohne ihn gäbe es heute kein Album und ich weiß nicht einmal, ob es überhaupt Eless le 100 geben würde. Auf jeden Fall sind die wahren Schöpfer des Albums Eless le 100 und QBTZ.

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