Budapester Stadtgedichte

I
Die Terrassen flutet Morgenlicht,
fegt Finsternis aus Höfen fort
und Helles fließt in Fenster fort,
wirft Flechtenmuster auf die Haut,
die frischer Lusttau weiß gerauht.

Nun,
entsteigt die Nacht,
von weiter, steinig-grauer Stadt
und die Tulpe öffnet sich.


II
Wo rostig-braun zerfault der Lack,
spröd‘ versinkt Arkantusblatt, da
starren Teufel vom Gesimse ab,
Herrscher dieser Stadt.
Auf deinem Haupte ruht, atlasgleich,
und mit Lorbeergrün ihr Grau bereift.


III
Der neue Mensch, stetes Streben,
auf Straßen unter Teufelswacht,
weite Wälder, Sommerregen,
im Geschmack der letzten Nacht.
Grüßen schelmisch lachend Fratzen
neidvoll Schwatzen; alter Lüste Stich;
und preisen Leben, das spärlich
blüht in weißen Nebeln.


IV
Aus Kopfsteinpflasterschatten
steigen langsam neue Fratzen,
Schrecken aller Menschenschaften.

Und entfernt
sprießt im Springbrunnen weißer Schaum,
Blätter tanzend auf dem Saum.


V
Es weist den Weg ein zittern Schild,
verschlungen führt zur Villa hin,
hinter Gärten voller Dürre,
welke Blätter, Blattgold, Granit,
wo Wunderbrunnen lang versiegt,

nur eine Rose einsam harrt.

VI
Tief in dunklen Schatten,
schwillt unermesslich Kiefernduft,
trocken schimmern Nadeln
und Statuen wachen eine Gruft.

Hoch erhoben schwebt ihr Kinn –
spöttisch hallen Schritte ihre
in den Seitenstraßen wieder
fruchtlos suchen sie den Sinn.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: