Mannheimer Stadtgedichte

Louis Aragon

Die eine Frau,
wie viel an sie gedacht, geglaubt
das Unmögliche zu leicht, zu weit
entfernt von ihr, zu nah, zu – ach!

Nur einen Punkt, die Welt
müsst stürzen aus den Angeln,
und überall Magie, überall
ein leises Flüstern, Zittern,
Vergessen und Erinnern.


Fahrt zum Mond

Die Lichter drehen rasend sich,
im drückend Wirbel rasch erliegt,
was atmend dieser Stadt entstieg.

Eh‘ ich gänzlich mich verlier‘,
wend‘ ich mich ab.
Entfliehe! Und folg dem Mond, der
als gold’ne Scheibe ferne thront.

Über regennasse Wege,
auf denen Lachen funkeln nass,
folg‘ finsterster Alleen Lauf,
wo Frische wohlig fällt ins Gras,
da werben Grillen wieder laut –
ein Uhu wachsam sich erhebt.

Durch Wolkenfäden treibt der Mond,
und wird durch sie zum Bild gewebt,
gerahmt, geheiligt hoch erhoben,
eh‘ er in die Nacht sich senkt.

Eh‘ ich gänzlich mich verlier‘,
wend‘ ich mich ab.
Flieh‘ seine Macht zurück zur Stadt,
die glühend weit in Nacht verweilt.

Zahllos Lichtertürme zeigen
dort in die Schwärze hoch so hell,
während keusche Worte knistern,
merklich kaum, ein sanftes Flüstern,
Motoren rauschen rasend schnell,
ziehen Kreise, kreuzen Zeichen.

Nun die Helle bald versiegt, Stadt!
die du einst die Luft mir nahmst,
bettest dich in dunklen Schlaf.

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